Seite druckenAlumna erste Museumspädagogin des Salzmuseums (7. Juni 2012)

Wenn Johanna Flügge sich in ihrem neuen Büro mit dem Stuhl um 360 Grad im Kreis dreht, sieht sie permanent aus dem Fenster - und über die Dächer der Stadt. Die Museumspädagogin hat ihren Schreibtisch im Glaskasten über dem ehemaligen Solespeicher der alten Saline. Seit einem halben Jahr arbeitet die Lüneburgerin im Salzmuseum. Und das bietet jetzt auch Stadtführungen an, unter anderem zur Senkungsproblematik.

Ein Stockwerk unter Johanna Flügges Schreibtisch wachsen braune Kristalle aus den Holzbalken. "Das ist Gips", erklärt die junge Frau. "In der Sole ist immer auch ein wenig Gips enthalten, der hat sich hier abgelagert." Das Holzhaus auf dem kleinen Hügel links neben dem Eingang zum heutigen Museum war einst bis oben hin mit Sole gefüllt - per natürlichem Gefälle floss sie von dort zum Siedehaus. Das Dach ist heute ein gläsernes Dreieck, der Rest ist bei einem Brand zerstört worden.

Dort im Keller, im einstigen Solebecken, liegen auf massiven Holztischen blaue Kunststofftischdecken mit weißen Punkten für die kleinen Gäste. Neben der Treppe stehen zwei 25-Kilo-Säcke Salz - einmal fein, einmal grob -, daneben vier durchsichtige Plastikboxen. Die Schatzkisten von Johanna Flügge.

"Das hier ist die für die Salzprinzessin", sagt sie und hebt den roten Plastikdeckel. Darin: Lederbänder, farbiges DIN-A4-Papier und Salzkristalle. Flügge schnappt sich eine Schere und bastelt drauflos: Ein lang gezogenes Papierdreieck rollt sie um ein Streichholz und klebt es zusammen, sodass es - an der Lederkette hängend - wirkt wie ein Schmuckstein, eine Perle. "In die Mitte kommt als Krönung der Salzkristall." Der ist vorher mit einem Loch präpariert worden. Und rund um die Bastelstunde erzählt die Museumspädagogin den Kindern Sagen und Märchen rund um das Salz.

Aufgewachsen in Lüneburg als Älteste von fünf Geschwistern, hat Johanna Flügge als Johanna Siebert am Gymnasium Oedeme ihr Abitur gemacht, ging danach für neun Monate nach Guatemala, brachte Kindern dort Englisch bei, und wie sie Musikinstrumente spielen können, und begann anschließend ihr Studium in Hamburg: historische Musikwissenschaften, Museums- und Freizeitpädagogik sowie Mittelalterstudien mit Technikgeschichte.

Johanna Flügge hat auch schon ein internationales Sommercamp der Organisation CISV (Children's International Summer Villages) organisiert, sie sagt über ihre Arbeit: "Mir macht es Spaß, komplexe Vorgänge einfach zu erklären - ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren."

Und so überlegt die 31-Jährige gemeinsam mit den Kindern, wie wohl am besten das wertvolle Salz zu transportieren wäre - wenn doch im Wald hinter den Bäumen böse Diebe lauern. Die Lösung: auf dem Wasser. Den dazugehörigen Ewer dürfen sich die Mädchen und Jungen im Anschluss ebenfalls bauen. Gut 100 Bausätze das Salzmuseum auf Vorrat - für Regentage, für Kindergeburtstage, für Aktionen.

Vorgesägt hat die Stücke Michael Anders von der Salzwerkstadt und Projektleiter der Hanse-Container am Salzmuseum. Zuerst hobeln die Kleinen dem Schiff die Kanten ab, dann schmirgeln sie es mit Schleifpapier schön glatt. "Ein Junge hat mal gesagt, sein Schiff fühle sich an wie eine Kuscheldecke", erzählt Johanna Flügge schmunzelnd. Das Segel aus Baumwollstoff - vorher von ihr zurechtgeschnitten - dürfen die Kinder mit ihrer eigenen Flagge bemalen. "Der Hit sind der Zacken des Poseidon und der Zeus-Blitz, das sind Motive aus ,Percy Jackson'. Ich glaube, ich muss die Bücher auch mal lesen..."

Schließlich muss die Museumspädagogin nah dran sein an der Welt der Kinder, will sie sie für ihre Welt - die des Museums - begeistern. Das tut sie, ihre neu entwickelten Programme werden gut angenommen. "Viele Kinder kommen sogar mehrfach, da ist es gut, dass wir unterschiedliche Angebote haben", sagt die 31-Jährige, "früher war es ein einziges, jetzt sind es fünf." Neben der "Salzprinzessin" und dem Ewerbau bei "Vorsicht Überfall" sind das chemische Experimente und Salzteigkneten unter dem Motto "Salz macht kreativ" sowie das Schreiben mit echtem Federkiel unter der Überschrift "E-Mail im Mittelalter" und das Sieden von Salz aus echter Lüneburger Sole bei "Salzsieder und Millionäre". Spezielle Angebote gibt es auch für Kindergärten sowie in den Schulferien, auch das ist neu.

Erstmals bietet das Salzmuseum künftig auch Führungen durch die Stadt an. Schulklassen gehen "Auf die Spuren der Salzsau" oder erfahren alles über das "Salzhaus der Hanse", Erwachsenentouren gibt es unter dem Motto "Hanse, Hafen, Handel" und "Auf den Spuren des Salzes". Besonders interessieren dürfte viele das neuartige Angebot "Lüneburgs bewegter Untergrund". Thema ist die Senkungsproblematik und ihre Auswirkungen - mit der Ursache kennen sich die Salzmuseumsmitarbeiter bestens aus. Und bei der Tour "Nach getaner Arbeit" wechselt die Perspektive vom Sülfmeister zu Sülzer und Kohlenträgerin - die Führung findet in historischem Kostüm statt.

www.salzmuseum.de

Hamburger Abendblatt v. 7. Juni 2012, Lüneburg-Teil, S. 2 - Foto: Carolin George

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Aktualisiert am 25.03.2017 11:10:17
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