Seite druckenGunther Geltinger liest in der Schulbibliothek

Protokoll der Lesung Gunther Geltingers vom 25.03.11

von Annika Halbsgut

Der 37-jährige Gunther Geltinger besuchte am 25.03.11 die Bibliothek des Gymnasiums Oedeme, um sein 2008 erschienenes Buch „Mensch Engel“ vorzustellen.

Über den Autor: Geltinger, der ursprünglich Drehbuch und Dramaturgie in Wien studierte, ist seit Anfang dieses Jahres als Stipendiat des Heinrich-Heine Hauses in Lüneburg, um sich intensiv dem Schreiben seines zweiten Buches zu widmen.

Genaueres zu dem Ablauf der Lesung: Während seines zweistündigen Aufenthalts in der Schule las Geltinger drei Textstellen aus dem Leben Leonard Engels und stand anschließend ausführlich und mit reichlich Humor für unsere Fragen bereit.

Die erste gelesene Stelle beschäftigt sich mit Engels Beziehung zu seinem Freund Marius und das darauf folgende „berühmte erste Mal“ (Geltinger).

Der zweite Textausschnitt handelt von Engels Abifete, seiner weiteren Beziehung zu Marius, die plötzliche Wandlung seiner Gefühle von Geborgenheit in Fremde und die anschließende Trennung der beiden jungen Männer.

Die letzte gelesene Szene stellt ein Gespräch zwischen Engel und seiner Mutter dar. Hierbei wird deutlich, dass die Mutter ihn in seiner Homosexualität unterstützt.

Gunther Geltinger selbst bezeichnet seinen Roman als eine Mischung aus Liebesroman und Coming Out Story, wobei es um „mit ihrer Homosexualität kämpfende Teenager“ (Geltinger) geht.

Durch die Fragestunde mit dem Autor erfuhren wir mehr über ihn, seine Verbindung zu den Romanfiguren und das Buch im Allgemeinen.

Auf die Frage, warum er dem Protagonisten Leonard Engel seinen ungewöhnlichen Nachnamen gegeben habe, antwortete er, dass Engel und Leonard Engel das Gefühl teilten, oft nicht zu wissen, ob sie unter Lebenden oder Toten gingen.

Im Laufe der Stunde erhielten wir weitere Information über Engels komplexen Charakter und erfuhren, warum „etwas mit ihm grundsätzlich nicht stimmt“ (Geltinger) und er beispielsweise Marius wegstößt, obwohl er ihn doch liebe. Er habe laut Geltinger alle ambivalenten Gefühle in sich vereint. Er sei hochsensibel und nicht in der Lage den Moment als genügend anzuerkennen, sondern beschäftige sich gedanklich immer schon mit dem kommenden Ende des Schönen.

Auf Grund weiterer Fragen und Antworten ließen sich einige Parallelen zwischen der Handlung des Romans und dem Autor erkennen. Geltinger selbst teile viele eigene Erfahrungen mit dem schwulen Leonard Engel und sagte auch, dass es für ihn als Autor gar nicht möglich sei, sich komplett von seinen Romanfiguren zu distanzieren.

So teilt er auch in gewisser Weise die Sprachlosigkeit mit Engel. Während Geltinger schon mit sieben wegen seiner, heute von Zeit zu Zeit noch erkennbare Sprachschwierigkeit (Stottern) zu schreiben begann, versucht Leonard Engel seine gefühlsmäßige Sprachlosigkeit durch das Aufschreiben seiner Gedanken während des Romans zu überwinden. Das Schreiben ist bei beiden als ein Akt der Befreiung zu erkennen. „Es geht in dem Roman [allein] um das Schreiben“, so Gunther Geltinger.

Insgesamt waren die beiden Deutschleistungskurse unter Leitung von Frau Rebel und Herrn Seemann sehr begeistert von der lockeren und authentischen Art des Autors. Es herrschte eine Atmosphäre auf „persönlicher Gesprächsebene“ (Seemann).





Aktualisiert am 27.11.2016 19:21:51
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