Seite druckenDas medienpädagogische Konzept des Gymnasiums Oedeme Lüneburg

  1. Voraussetzungen und Begriffsklärungen

    Medienwelten sind Lebenswelten, Lebenswelten sind Medienwelten. Dass sich Menschen heute zurechtfinden müssen im Labyrinth der Medienwelten, ist eine neue und zusätzliche Anforderung. ,Medien‘ – vom Buchdruck bis zum Internet – sind so komplex, dass wir alle den Kommunikationsmodus medialer Vermittlung immer wieder neu lernen müssen. Diese neue und zentrale Lernaufgabe nennen wir ,Medienkompetenz‘.
    Unter Medien verstehen wir nicht nur – da folgen wir Baacke – die „neuen“ Medien, sondern das gesamte Spektrum von Printmedien über die verschiedenen Formen bereits „traditioneller“ audiovisueller Medien bis hin zur rechnergestützten Medienintegration (Multimedia). Alle technischen Medien basieren auf den traditionellen Kulturtechniken der Informationsaneignung – Lesen und Schreiben –, haben also die Beherrschung der Schriftkultur zur Voraussetzung. An Versuchen, dies zu ändern, wollen wir uns nicht beteiligen.
    „,Medien‘ stellen eine Besonderung kommunikativer Strukturen dar, und ,Medienpädagogik‘ ist die Disziplin, die sich – unter Reflexion der eben eingeführten Grundbegriffe – in ihrer Aufgabenbeschreibung als Teil von Erziehungs- wie Bildungsprozessen versteht, und zwar in bezug auf den Handlungs- und Objektbereich ,Medien‘. [...] Indem wir ,Medien‘ zwar als in der modernen Gesellschaft wichtiges Kommunikationsmedium erfahren, dürfen wir doch nicht davon absehen, dass kommunikative Akte auch in Face-to-face-Situationen, live und in direkter Begegnung, über Sprache und Sprechen, Sich-Anschauen, Sich-Berühren etc. stattfinden, kurz: ,Medienkompetenz‘ ist eine Besonderung technisch-elektronisch organisierter Kommunikationsverhältnisse, denen aber andere historisch vorausgehen oder diese eng begleiten. [...] ,Kompetenz‘ lässt sich zwar als Gegenstandsbereich und damit als ,Medienkompetenz‘ darstellen, aber es handelt sich um eine Abgrenzung, um eine Schattierung, die den realen Existenzformen des Menschen nicht entspricht.“ (Baacke, in: ders. u.a.(Hgg.), Handbuch Medien: Medienkompetenz. Modelle und Projekte. Bonn 1999, S. 31-35, hier: 32).
    Medieneinsatz im Unterricht und Medienerziehung darf also kein Selbstzweck sein, sondern ist ein Teil der kommunikativen Kompetenz und muss sich pädagogisch-didaktisch legitimieren lassen. Medieneinsatz ist selbst noch keine Medienerziehung. Davon kann erst gesprochen werden, wenn das Medium selbst Unterrichtsgegenstand oder -thema wird.


  2. Medienkompetenz als Bildungsaufgabe

    Für den Bildungsbereich stellen die neuen Informationstechnologien eine große Herausforderung dar. Das vorgegebene Bildungs- und Erziehungsziel heißt „Medienkompetenz“. Dieses Schlagwort wird mit sehr unterschiedlichen Inhalten gefüllt. Welche Medien in der Schule besonders berücksichtigt werden sollen, wird oft von der Fachperspektive oder auch von zufälligen individuellen Vorlieben bestimmt. Einigkeit wird hoffentlich darin bestehen, dass Medienkompetenz auf gymnasialem Niveau sich nicht darin erschöpfen kann, technische Verrichtungen zu beherrschen. Schülerinnen und Schüler müssen auch einen kritischen Umgang mit den Medien erlernen, also die Phase der bewundernden Identifikation überwinden.
    Allgemein anerkannt ist mittlerweile bei der Definition von Medienkompetenz die Position Baackes, der vier Bereiche von Fähigkeiten benennt, die zur Medienkompetenz zählen (vgl. Baacke, a.a.O.):

    • die Medienkritik,
    • die Medienkunde,
    • die Mediennutzung und
    • die Mediengestaltung.

    Im wesentlichen geht es also um Fähigkeiten, die medialen gesellschaftlichen Prozesse analytisch durchdringen und reflexiv auf das eigene Handeln anwenden zu können und dies unter ethischen, sozialverantwortlichen Gesichtspunkten, um den Erwerb von Wissen über die Zusammenhänge des Mediensystems sowie über Fähigkeiten zur technischen Handhabung von Mediengeräten zu fördern und um den Erwerb von Fähigkeiten sowohl zur rezeptiven als auch interaktiven Mediennutzung und von Fähigkeiten zur innovativen und kreativen Mediengestaltung zu unterstützen.


  3. Die medienpädagogische Situation des Gymnasiums Oedeme

    Seit Bestehen des Gymnasiums Oedeme, also seit dreißig Jahren, erproben Kollegium und Schüler den Einsatz von Medien im Unterricht. Medien und ihre Auswirkungen werden zum Unterrichtsthema (Medienerziehung), und der Unterricht setzt auf die Verbesserung des Lehrens und Lernens durch den Einsatz von Medien (Mediendidaktik).
    Insgesamt wird ein Schüler bislang im Gymnasium Oedeme während der siebenjährigen Ausbildung mit einer Reihe von Medien konfrontiert werden. Meist dienen sie der Informationsdarstellung und werden nicht selbst Gegenstand des Unterrichts. Das gilt besonders für die „technischen“ Medien der 70er (OHPs, 16-mm-Projektoren) und 80er Jahre (VHS-Video, Audio-Kassetten und CDs). Die Ausstattung im Computerbereich ist sehr unterschiedlich, aber überwiegend noch veraltet. Dieser Zustand wird demnächst für einige Jahre verbessert werden.
    Die (offizielle) medientechnische Vorbildung des Durchschnittlehrers besteht (wie an den meisten anderen Gymnasien) in dem „Filmvorführschein“, den alle während des Referendariats machen mussten. Alle weitergehende „Medienkompetenz“ hat er sich privat „nebenher“ angeeignet. Der Anteil an produktionsorientierter Medienarbeit ist am Gymnasium Oedeme schon jetzt beachtlich. Im Fach Deutsch beteiligen sich die Schüler/innen regelmäßig mit großem Erfolg an Projekten mit Printmedien, u.a. der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in den Fremdsprachen hat es bereits E-Mail-Projekte gegeben, im Musikunterricht wird mit Midi-Files gearbeitet, eine AG hat eigene CD produziert; im Kunstunterricht gibt es Versuche mit Grafikprogrammen. Der Anspruch, Medienpädagogik zu einem Baustein des Schulprogramms zu machen, will diesen Trend noch weiter verstärken. Das Ziel soll sein, die Medienkompetenz aller unserer Schülerinnen und Schüler weiter zu verbessern, indem sie in möglichst großer Zahl die Gelegenheit zu einer produktiven Auseinandersetzung mit den Medien bekommen.


  4. Medienerziehung

    In vielen Fächern und Jahrgängen verfolgt das Gymnasium Oedeme die Medienerziehung mit Hilfe dreier Ansätze:
    Medienkunde beschäftigt sich mit der Frage, über welche Medien wir verfügen, wie sie funktionieren, wie sie wirken und welche gesellschaftliche Bedeutung sie haben.
    Durch Medienanalyse lernen Schülerinnen und Schüler die „Sprache“ und „Grammatik“ der Film- und Fernsehbilder sowie die Arbeitsweise des Computers zu verstehen, aber auch kritisch zu analysieren, zu interpretieren und zu bewerten.
    Medienproduktion meint, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler die Chance erhalten, auf einem Gebiet ihrer Wahl Medienbeiträge herzustellen: Texte frei zu gestalten und zu veröffentlichen, ein Video herzustellen, ein Hörspiel zu konzipieren, ein Computerprogramm zu entwickeln. Speziell diesen Aspekt wollen wir am Gymnasium Oedeme weiter ausbauen.
    Die genannten Methoden durchziehen die wichtigsten Felder der Medienerziehung in der Schule: Leseförderung, Informations- und Kommunikationstechnologische Grundbildung, Film- und Fernseherziehung sowie Ausbildung im Bereich von Multimedia und Internet.
    Nach dem „Orientierungsrahmen“ für Medienerziehung in der Schule, den die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 1995 abgesteckt hat (1997 übernommen von der Kultusminister-Konferenz), ist der Ort der Medienerziehung der Fachunterricht; „Leitfächer“ sind Deutsch, die Fremdsprachen, Kunst, Musik und Politik.


  5. Leseförderung

    Das Gymnasium Oedeme will Kindern und Jugendlichen ein intensives und stabiles Verhältnis zum Buch vermitteln. Neben einer angenehmen, zum Verweilen anregenden Atmosphäre bietet die Schulbibliothek leichten Zugang zu Zeitungen, Zeitschriften, auch zu Gesellschaftsspielen, Videofilmen, seit neuestem auch zu CDs und CD-ROMs. Lesenächte, die Vorstellung neuer Bücher, Dichterlesungen wecken und intensivieren das Interesse am Lesen. Im Kern aber stehen in den Unterricht verschiedener Fächer integrierte Leseförderungsmaßnahmen, eingebettet in den Pflichtbereich unterschiedlicher Jahrgangsstufen.


  6. Die Informations- und Kommunikationstechnologische Grundbildung (IKG)

    Die IKG hat zum Ziel, allen Jugendlichen von der 8. Klasse an bei konkreten Anwendungsbeispielen Arbeitsweise, Nutzen, aber auch Grenzen und Gefahren des Computereinsatzes nahezubringen.
    Im Einzelnen sieht die IKG am Gymnasium Oedeme vor:
    Klasse 8: Textverarbeitung und Internet-Recherche (angebunden an den Deutschunterricht)
    Klasse 9: Tabellenkalkulation
    Klasse 10: Präsentationsprogramme (Kunstunterricht)
    Klasse 11: Layout, Desktop-Publishing (Deutsch, Kunst – als Projekttage zur Vorbereitung des Praktikumsberichts und der Facharbeit)
    Jahrgänge 12-13: Anwendung und Vertiefung der bisher erworbenen Kenntnisse


  7. Film- und Fernseherziehung

    Film- und Fernseherziehung findet noch unvollkommen in unterschiedlichen Fächern statt. Betrieben wird ansatzweise – in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Musik und Kunst – vor allem die Filmanalyse. Auch hier soll der produktive Ansatz ausgebaut werden. Mit der schuleigenen Videokamera können Schüler Filme selbst produzieren. Dabei lernen sie kreatives Gestalten und erspüren hautnah, wie ein Massenmedium wie das Fernsehen Realität interpretieren, umdeuten, ja manipulieren kann. Dies führt zu bewussterem Sehen und verantwortlicherem Umgang mit den Möglichkeiten dieses Mediums.
    Wenn digitaler Videoschnitt geübt und praktiziert werden soll, muss man sich zunächst noch an die Kreisbildstelle wenden. Die dazu erforderlichen Arbeitsplätze sind bisher nur dort installiert.


  8. Multimedia

    Multimedia kann die Lernenden durch die gleichzeitige Darbietung von Wort, Bild und Ton mit allen Sinnen ansprechen und mehr Anschaulichkeit, Differenzierung, Eigentätigkeit und Eigenverantwortung vermitteln. Die Schule beobachtet mit Interesse die Wirkung von Multimedia auf Motivation und Lernverbesserung, integriert in den regulären Fachunterricht, ebenso wie beim Selbstlernen an Arbeitsplätzen in der Bibliothek.


  9. Internet

    Im Internetraum haben bisher nur sehr kleine Lerngruppen – pädagogisch verantworteten – Zugang zum Internet. Dadurch können zum einen prinzipiell alle Schüler in Nutzen und Grenzen internationaler Datennetze eingeführt werden, zum anderen wird erprobt, inwieweit aktuelle Informationen konventionellen Unterricht lebendig, zeitnah und motivierend machen und dadurch Lernerfolge fördern. Um sich nicht in der Informationsfülle zu verlieren, lernen Schüler planmäßig und fachbezogen, sich gezielt im weltweiten Datennetz zurechtzufinden und Informationen auszuwählen.
    Die Nutzung des Internet ermöglicht auch den internationalen Ideen- und Gedankenaustausch per E Mail. Dies führt nicht nur zu Verbesserungen der Sprachkompetenz, sondern zur Erweiterung des kulturellen Horizonts und damit zu Toleranz. Im Rahmen des Projekts sollen alle Rechner der Schule vernetzt und zu einem schuleigenen Intranet ausgebaut werden, das von allen Mitgliedern der Schule zur – in erster Linie schulinternen – Publikation genutzt werden kann und das die Kommunikation innerhalb der Schule intensiviert. Von allen Rechnern kommt man dann aber auch ins Internet und kann dieses nutzen.


  10. Mediendidaktik

    Neben der Medienkompetenz sollte auch von einer medienpädagogischen Kompetenz gesprochen werden, die die Fähigkeit meint, Medienkompetenz unter pädagogischen Aspekten angemessen zu vermitteln.
    Fast alle im medienpädagogischen Bereich Tätigen müssen nämlich nicht nur selbst in einem gewissen Umfang medienkompetent sein, sondern auch die Qualifikation haben, die Schüler/innen medienkompetent zu machen. Hierbei sind Kenntnisse von Mediendidaktik und von medienpädagogischen Konzepten eine unabdingbare Voraussetzung für medienpädagogische Kompetenz.
    Medienpädagogische Kompetenz ist im übrigen ein Aspekt, der bisher auch von der Medienpädagogik stark vernachlässigt worden ist. Wir reden sehr häufig darüber, was unsere Schülerinnen und Schüler alles können müssten – also über deren Medienkompetenz –, wir wissen aber von unserer Ausbildung her sehr wenig darüber, wie unsere eigenen Fähigkeiten dazu aussehen müssten, um Medienkompetenz angemessen vermitteln zu können. Hier wird wieder einmal die besondere Bedeutung der Lehreraus- und -fortbildung deutlich (s. u.).


  11. Produktive Medienarbeit

    Produktive Medienarbeit ist heute ein intensiv betriebener Teilbereich und ein immer wichtiger werdender Weg der Medienkompetenzförderung im Rahmen eines handlungsorientierten, integrativen Arbeitsansatzes (vgl. Baacke, Tulodziecki, Thiele). Sie hat sich geradezu als „Königsweg“ medienpädagogischer Arbeit erwiesen, wenn dabei die Auseinandersetzung mit Medienerlebnissen und erfahrungen und mit Medienprodukten und -institutionen themen- und adressatengemäß einbezogen wird.
    In der produktiven Medienarbeit wollen wir am Gymnasium Oedeme einen Schwerpunkt setzen. Fördern wollen wir die Fähigkeit, sich die audiovisuellen Medien einschließlich der neuen digitalen Medien zur Bearbeitung und kreativen Artikulation eigener und gruppenbezogener Interessen, Sichtweisen und Befindlichkeiten produktiv zunutze zu machen.
    „Die Herausforderung, innerhalb der Schule etwa außerhalb derselben ‚Veröffentlichbares‘ zu erarbeiten und die damit von vornherein verbundene Aussicht, die Diskretheit und kollektive Privatheit des innerschulischen Lebens und Lernens zu überschreiten, eröffnen den Schülerinnen und Schülern eine wichtige Chance, ihr schulisches Lernen als einen für sie bedeutsamen Bestandteil ihres Lebens wahrzunehmen“ (Biermann u.a.). Diese Erfahrung haben schon viele unserer Schüler/innen in Jugend-schreibt-Projekten und in der Produktion einer Musik-CD machen können.


  12. Medienintegration

    Insgesamt soll sich die produktive Medienarbeit einordnen in ein integratives medienpädagogisches Gesamtkonzept. Diese Sicht wird auch in aktuellen Beschlüssen der Kultusminister-Konferenz (KMK 1995, 1997) und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK 1995) vertreten.
    Ein integrativer Ansatz der Medienpädagogik beinhaltet dabei,

    • dass der Zusammenhang der getrennten herkömmlichen Bereiche „Leseerziehung“, „Medienerziehung“ und „informationstechnische Bildung“ gesehen und auch curricular hergestellt wird,
    • dass medienpädagogische Aufgaben in den allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag aller Schulformen integriert werden,
    • dass alle Schulfächer und Lernbereiche aufgefordert sind, an der Vermittlung von Medienkompetenz mitzuwirken und hierzu medienbezogene Themen und Lernfelder verbindlich zu berücksichtigen, systematisch zu verorten und ihre Bearbeitung miteinander abzustimmen,
    • dass besonders in diesem Bereich eine deutlich stärkere Nutzung fächerübergreifender, projektorientierter Arbeit, eine Öffnung der Schule und eine Vernetzung der schulischen Bildung mit Eltern- und Jugendarbeit angestrebt wird (vgl. KMK 1995).

    Die Vermittlung von Medienkompetenz gelingt nur durch konsequente Medienintegration in den Pflichtbereich der Schule. Daher entwickelt das Gymnasium Oedeme aufeinander abgestimmte medienpädagogische Bausteine für verschiedene Unterrichtsfächer, Jahrgangsstufen und Medienarten, um sie im Rahmen bestehender Richtlinien umzusetzen. Ziel ist ein medienpädagogisches Gesamtcurriculum von der Klasse 7 bis zum Abitur. Eingebunden sind die Medienaktivitäten in ein reiches Schulleben, das in zahlreichen Musik-, Kunst-, Theater- und Sportangeboten schulische Gemeinschaft und das Leben im direkten menschlichen Bezug – ohne Zwischenschaltung der Medien – erfahrbar macht.


  13. Vorschläge im Einzelnen:

    Weiterentwicklung vorhandener Ansätze:
    Am Gymnasium Oedeme wird ein Programm für die Medienpädagogik entwickelt, das etwa folgende Ziele und Ansprüche hat:
    Nach wie vor liegt der Schwerpunkt der Medienerziehung auf der „traditionellen“ Arbeit mit Texten unterschiedlichster Art, mit bildlichen (Werken der bildenden Kunst, Fotos) und grafischen Darstellungen (Karten, Diagrammen, Schaubildern usw.).
    Medien sollen stärker als bisher selbst zum Gegenstand von Unterricht gemacht und nicht nur als „Informationsträger“ benutzt werden. Die dazu in den (fachspezifischen) Richtlinien vorhandenen Anleitungen und Anregungen sollen stärker berücksichtigt werden. Gerade bei fächerübergreifenden Projekten bietet es sich oft an, die Medienerziehung stärker zu betonen.
    In möglichst vielen Bereichen sollen Medien produktiv genutzt werden.
    Weitergehende Programmpunkte der Medienerziehung werden von den Fachgruppen entwickelt werden. Interessierte Schüler/innen und Eltern sollen darin gleichberechtigt mitarbeiten können.

    Informations- und Kommunikationstechnologische Grundbildung (IKG)
    Die IKG ist gerade in Klasse acht eingeführt worden. Sie wird in den höheren Klassen in folgender Weise fortgeführt:
    Klasse 8: Textverarbeitung (MS Word) und Internet-Recherche
    Klasse 9: Tabellenkalkulation (MS Excel)
    Klasse 10: Präsentationsprogramme (MS PowerPoint)
    Klasse 11: Layout, DTP (MS Publisher, Adobe InDesign)
    Jahrgänge 12-13: Anwendung und Vertiefung der bisher erworbenen Kenntnisse

    Ausgestaltung der Homepage als schulisches Intranet
    Kern und Zentrum des medienpädagogischen Konzepts des Gymnasiums Oedeme wird der Ausbau der Homepage zum schulischen Intranet. Das Angebot der Homepage (http://gymoedeme.de) ist noch zu sehr auf die Selbstdarstellung der Schule gerichtet. Sie soll im Rahmen des Projekts, für das wir Fördermittel beantragen, zu einem funktionalen Instrument des Lehrens und Lernens ausgebaut werden und die Kommunikation der Schule mit der Umwelt wie aber auch die innerschulische Kommunikation verbessern helfen.
    Dazu gehört, dass ein Multimedia-Raum mit 15 entsprechend ausgerüsteten Rechnern, Videobeamer, Scanner und leistungsfähigem Netzwerkdrucker eingerichtet wird, alle an der Schule vorhandenen und neu anzuschaffenden Rechner vernetzt werden und man von möglichst vielen Punkten der Schule (auch über Funkmodems) Zugang zum Netz bekommt. In einer späteren Phase sollen (z. T. transportable) „Medieninseln“ eingerichtet werden, ebenso mit der Möglichkeit des Zugangs zum Netz.
    Dazu müssen die einzelnen Fachschaften bzw. einzelne Personen qualitativ hochwertige Beiträge bringen, die dann eingebunden werden können. Weitergehende Projekte – z. B. Hypertext-Projekte – sind (z. B. in Deutsch und Politik) geplant.

    Im Projekt angestrebte Aktivitäten:
    Folgende weitergehende Projekte sind in Planung:

    • Deutsch- und Fremdsprachenunterricht:
      • Texte schreiben und publizieren im schulischen Intranet wie im weltweiten Netz,
      • aber auch: Texte schreiben und publizieren in gedruckter, „greifbarer“ Form: einzelne Texte, Klassenzeitungen, Schulmitteilungen als Printmedien, entworfen mit einem modernen DTP-Programm, hergestellt mit einem leistungsfähigen digitalen Laserdrucker, gebunden „von Hand“
      • Internetrecherchen zu verschiedenen Themen
      • Lehrgang im Lesen vernetzter Texte und im Umgang mit Suchhilfen
      • E-Mail- und
      • Hypertext-Projekte
      • Chatrunden (zu konkreten Themen) in ‚Chatrooms‘, angeboten auf der zentralen Homepage des Gymnasiums Oedeme
      • Mailing Lists und News Groups, ebenfalls über die zentrale Homepage
      • Kennenlernen von Informationsquellen (Zeitungsverlage, Fernsehsender, Bibliotheken, Universitäten, Verlage, Vereine, Institutionen etc.)
    • Kunstunterricht:
      • Rezeption und produktive Veränderung von Kunstwerken
      • virtuelle Rundgänge durch Museen der Welt im Internet
      • digitale Bearbeitung und Verfremdung von Fotos
      • Übungen zur Typographie und Layoutgestaltung (für Publikationen innerhalb der Schule und nach außen)
      • Entwürfe von Plakaten, Piktogrammen, Logos/Signets für schulische und außerschulische Einrichtungen
      • ein Hypermedia-Projekt
    • Musikunterricht:
      • Darstellung von Strukturen, z. B. Kanons, über Midi-Files
      • kreative Produktion von Musik
    • Politikunterricht
      • Einbindung des Agenda-21-Projekts in die Homepage


  14. Förderung der Mündlichkeit – Balance der verschiedenen Bereiche

    Wie gesagt ist die Medienkompetenz nur ein Teil der kommunikativen Kompetenz. Deshalb muss u. E. zur Verhinderung eines zu stark technizistisch ausgerichteten Medienkonzepts neben der Schriftlichkeit auch die Mündlichkeit besonders betont werden. Dazu gehört:

    • die Ausbildung der menschlichen Stimme als Medium/Förderung von Rhetorik und Persönlichkeitsbildung: Die mündlichen Prüfungen im Abitur, Erfahrungen mit Kursen im Fach Darstellendes Spiel sowie Reden von Schülervertretern zu besonderen Anlässen zeigen ebenso wie vielfältige Unterrichtserfahrungen mit „schweigsamen“ Schüler/inne/n, dass in diesem Bereich viele Schülerinnen und Schüler Defizite bis zum Ende der Schullaufbahn mit sich schleppen.
    • Um dies zu ändern, sind zu fördern: Stimmbildung im Fach Musik, in einer Chor-AG, Argumentation und Rhetorik im Deutschunterricht, Vorlesewettbewerbe, Analysen von Reden als geschichtlichen Quellen, Einrichtung von Kursen und AGs im Darstellenden Spiel, Vorlesen von Texten und Halten von Referaten in allen Fächern und Klassenstufen (von 7 an), Lehrervortrag im Unterricht, Reden zu (schul-)öffentlichen Anlässen (positive oder negative Vorbildfunktion).
    • Im Einzelnen:
      • Regelmäßige Vorlesewettbewerbe der Klassen 7 mit Publikum
      • Stärkere Betonung der Mündlichkeit im Unterricht, besonders konsequent bei Referaten. (kein/e Lehrer/in lässt zu, dass ein Schüler ein Referat wörtlich abliest. Selbstverständlich müssen die Schüler vorher gelernt haben, wie ein Referat vorzubereiten und zu halten ist.)
      • Schülern beispielgebende Lehrervorträge bieten.
      • AGs Darstellendes Spiel regelmäßig anbieten.
      • Im Deutschunterricht der Oberstufe eine Unterrichtsreihe zum Thema Rhetorik mit praktischen Anteilen in allen Kursen durchführen.
      • Mehr Redeanlässe im schulischen Raum schaffen (z. B. bei Kandidaturen zu Klassensprecher-, Stufensprecher- und Schülersprecherwahlen).


  15. Lehrerfortbildung

    Der Umgang mit neuen Medien setzt eine gezielte Lehrerfortbildung voraus.
    In ersten Projektberichten zur Multimedia-Arbeit liest man zur Zeit immer wieder begeisterte Behauptungen über angeblich durch die Nutzung der neuen Technik erreichbare bzw. sogar erreichte übergreifende Ziele wie der Aufweichung starrer institutioneller Rahmenbedingungen wie des „lehrerzentrierten Unterrichts“ und der Erhöhung von Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kommunikationskompetenz, Arbeitsmotivation, Lernbereitschaft etc.
    Dabei werden Argumentationen und Hoffnungen wiederholt, die nun schon mehrfach bei der Einführung jeweils neuer Medien – z. B. in den siebziger Jahren im Zusammenhang mit den „Sprachlabors“ – formuliert wurden. Wir meinen, dass mit solchen Behauptungen erneut zu hohe Erwartungen und Hoffnungen auf schnelle Erfolge geweckt werden und die Aufmerksamkeit zu sehr auf „Geräte“ statt auf notwendige pädagogische Qualifizierungen gelenkt wird.
    Richtig ist, dass bereits die heute realisierbaren Möglichkeiten ein erhöhtes Potential zur Förderung von Eigenaktivität, effizienterer Informationsbeschaffung, verbesserter Kommunikation, Kooperation, Eigenproduktion und -publikation enthalten. Fruchtbar gemacht wird dieses Potential jedoch erst durch engagierte Pädagogen/innen, die Projekte auf der Basis komplexer Unterrichtskonzepte realisieren, wie sie z. B. mit den Begriffen „Werkstatt“ und „Produktive Medienarbeit“ gekennzeichnet werden.
    Am Gymnasium Oedeme wird ein Fortbildungskonzept erarbeitet, das praxisnah gestaltet wird und bei seiner Umsetzung die hohen und immer weiter steigenden Belastungen der Lehrer/innen berücksichtigt. Eltern und außerschulische Instanzen werden integriert.


  16. Internationale Kooperation

    Das Gymnasium Oedeme hält Kontakt zu Partnerschulen in England, Frankreich, Schweden und den USA. Die pädagogischen Möglichkeiten und der praktische Einsatz der Medien werden unter Berücksichtigung kulturspezifischer Unterschiede miteinander diskutiert. Leitlinie ist der Grundsatz, dass der Einsatz von Technologie nie Selbstzweck ist, sondern innerhalb pädagogisch begründeter Zusammenhänge dem Lernenden zu dienen hat.


  17. Evaluation

    Um die Projektarbeit zu verbessern und genauer zu steuern, entwickelt das Gymnasium Oedeme geeignete Evaluationsmethoden. Neben Erhebungen zur Nutzung der Medien werden – zusammen mit Schülern/innen – Befragungen und Interviews mit Lehrenden und Lernenden sowie Unterrichtsbeobachtungen durchgeführt. Ziel ist es, nachprüfbare Aussagen zur Wirkung der medienpädagogischen Arbeit zu erlangen und den Unterricht sowie die Kooperation innerhalb der Schule zu verbessern.

 Medienkonzept Oedeme.pdf (160 KBytes)




Aktualisiert am 14.01.2017 17:13:03
Gymnasium Oedeme
Umsetzung und IMS von LüneCom Kommunikationslösungen GmbH