Seite druckenNotebookklassen - Konzept gescheitert

Schüler an ihren Notebooks

Notebooks, so sagt man, ermöglichen ein individuelleres Lernen: Lerntempo und Schwierigkeitsgrad können die Schüler stärker selbst bestimmen. Im Unterschied zum Computerraum könnten die Vorteile der Neuen Medien dort genutzt werden, wo gelernt wird: im Klassen-, im Fachraum und zu Hause.

Eine Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern des Gymnasiums Oedeme hat denn auch mit großem Schwung ein Konzept entwickelt, wie mit den Notebooks umgegangen werden soll. Uns sollte es nicht um die bloße "Elektrifizierung von Klassenräumen" gehen, sondern um die Unterrichtsentwicklung durch neue Medien. Die Notebooks erlauben angeblich eine Erweiterung der Lern- und Unterrichtsmethoden, sollen die erwünschte Tendenz zum selbstständigen, problemorientierten Lernen unterstützen.

Die Bilanz fällt allerdings ernüchternd aus: es gab und gibt eine Reihe von Problemen - insbesondere auf einer Ebene, auf der wir sie nicht erwartet hatten. Wir waren davon ausgegangen, dass es in der methodisch-didaktischen Umsetzung nicht ohne Schwierigkeiten abgehen werde; hier hat auch die Wissenschaft erst wenige konkrete Vorschläge und Konzepte anzubieten - wir waren halt Vorreiter, das war uns klar.

Die Probleme traten und treten jedoch vorwiegend bei technischen Fragen auf: es war lange nur ein Hersteller in der Lage, uns ein Notebook für 1000 Euro und mit vier Jahren Garantie anzubieten. Und die Geräte dieses Herstellers sind den harten Anforderungen, wie sie in der Schule gestellt werden, offenbar nicht gewachsen - sie fallen häufig aus, und wir haben nicht genügend Ersatzgeräte, so dass Schüler z.T. wochenlang ohne Notebook sind.

Dazu kommt, dass wir Lehrer mit der Administrierung und Wartung einer so großen Zahl von Rechnern natürlich völlig überfordert sind. Unternehmen hätten bei etwa 150 Notebooks längst eine zweite oder dritte hauptamtliche Kraft eingestellt - wir haben niemanden (aber einzige eine Entlastungsstunde ...)! Wie soll man so professionell arbeiten?!

Die Kollegen waren wegen der zahlreichen technischen Probleme schließlich demotiviert, planten die Notebooks z.T. schon gar nicht mehr ein, weil ohnehin immer viele nicht zur Verfügung standen, weil sie in der Reparatur waren. Dagegen hilft  auch nicht ein bisschen Fortbildung ...

Über all dem sind wir kaum dazu gekommen, uns den Problemen dort zu stellen, wo wir sie erwartet hatten: in der Methodik und der Didaktik, und das ist unser eigentliches Feld.

Auch hier sind wir aber mittlerweile deutlich skeptischer geworden: was passiert denn in den meisten Fällen, wenn Schüler im Internet recherchieren? Sie gehen auf wikipedia.de und haben auf einen Schlag scheinbar alle Informationen zusammen, die sie brauchen. Dass das Gefundene jetzt noch auf Zuverlässigkeit überprüft werden, dass man es sich noch individuell aneignen müsste etc. - das unterbleibt dann meistens.
So bleiben die Informationen äußerlich, die Schülerinnen und Schüler eignen sie sich weniger an als z. B. Texte aus einem (Schul-)Buch.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ohne Einstellung (mindestens) einer hauptamtlichen Kraft für die Betreuung der Notebooks der Einsatz von Notebooks an einer Schule nicht sinnvoll ist. Ob er überhaupt sinnvoll ist bei dem Aufwand, der dafür nötig ist, bleibt sehr zweifelhaft.

So haben wir das Notebookprojekt im ursprünglich gedachten Sinne offiziell "beerdigt", versuchten es danach noch in MINT-Klassen, aber das zog die falschen Schüler an (die, die glaubten, sie könnten im Unterricht ihren Gamer-Neigungen folgen).

Von schönen Worten und bunten Prospekten kann man nicht leben, Bildung kostet eben auch Geld, und nicht nur das Geld der Eltern. Das sollten auch all die bedenken, die der Schule jetzt eine "Tabletsucht" verordnen wollen ...

 FAZ_24.10.2006.pdf (236 KBytes)

» "Mobiles Lernen" - Notebookprojekt des Vereins n-21


Seite druckenMINT-Klasse als Notebookklasse

Die Kinder verfügen über ein standardisiertes Notebook, das von der Schule angeschafft und von den Eltern finanziert wird.
Die Eltern konnten das Gerät bar erwerben oder in Raten (zinslos über 3 Jahre) abbezahlen. Der Kaufpreis lag bei ca. 1000 EURO, die Raten betragen ca. 28 EURO. Dazu kommen für alle monatlich 1 EURO Versicherung (obligatorisch) und 1 EURO für Software und Service.
Dafür haben die Kinder ein Business-Notebook eines renommierten Herstellers mit 4 Jahren Garantie bekommen, in 2006/07 ein "Durabook" der Firma Twinhead, das uns zum Glück längst nicht so viele Ausfälle beschert hat wie die Geräte eines anderen großen deutschen Herstellers, denen wir vorher ausgesetzt waren.
Das Notebook wird als Arbeitsmittel in den profiltragenden Fächern regelmäßig, in anderen Fächern dann eingesetzt, wann immer es sinnvoll ist. Selten wird eine ganze Unterrichtsstunde mit dem Gerät gearbeitet; Bücher und Hefte sind weiterhin im Einsatz.

Es blieb beim einmaligen Versuch; zwar gab es längst nicht so viele Ausfälle der Notebooks wie vorher in den Notebookklassen, die technischen Probleme mit dem Netzwerk blieben - eine personelle Unterstützung von außen fehlt weiterhin. Die MINT-Klassen haben sich bewährt - aber ohne Schüler-Notebooks im Unterricht (und ohne Tablets oder Smartphones ...).

» Link zum Notebookprojekt von n-21




Aktualisiert am 14.01.2017 17:14:39
Gymnasium Oedeme
Umsetzung und IMS von LüneCom Kommunikationslösungen GmbH